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In unserem Blog findet ihr hilfreiche Praxis-Tipps und anschauliche Videos mit ausführlichen Anleitungen rund um das Training mit dem Hund.
Wir geben hier Produkttipps für nützliches Hundezubehör und verraten euch, wo ihr dieses kaufen könnt. Außerdem halten wir Euch auf dem Laufenden zu Neuigkeiten beim Zusatzmodul Jagverhalten und stellen die neuesten Veröffentlichungen – zum Beispiel Bücher, Artikel in Fachzeitschriften und vieles mehr – von Anke und Pia vor.  

Viel Spaß beim Stöbern!

Xaver Bayerischer GebirgsschweisshundSchweißhunde – Hannoverscher Schweißhund (HS) und Bayerischer Gebirgsschweißhund (BGS) – erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Fand man diese Tiere bis vor ca. 15 Jahren ausschließlich in den Händen weniger Jäger (meist Forstleute oder Berufsjäger), sieht man sie heute häufig und auch bei Nichtjägern, besonders den BGS. Er stellt quasi die kompakte Ausführung von Vizsla und Rhodesian Ridgeback dar: kurzhaarig, athletisch, edel... wie auch immer. Denn leider ist hier die Optik oft das wichtigste Merkmal bei der Wahl dieser Rasse.

Welche Art Jagdhund sind Schweißhunde eigentlich? Es handelt sich um alte, hochspezialisierte Rassen, deren einzige Aufgabe darin besteht, verletztes Wild am langen Riemen nachzusuchen, damit es erlöst werden kann. Im Regelfall wird Wild auf der Jagd tödlich getroffen, manchmal läuft es auch noch bis zu 200 Meter, bevor es zusammenbricht (ähnlich dem geköpften Huhn, das noch flattert). Sterben dauert einfach einen Moment, die Vorgänge im Körper stoppen nicht unmittelbar. Diese sogenannten „Bergehilfen“ werden zwar bei Bedarf auch von Schweißhunden gemacht, sind aber nicht ihr Haupteinsatzgebiet. Der Spezialist ist gefragt, wenn die Verletzung nicht oder nicht sofort tödlich ist, sei es durch einen Verkehrsunfall oder einen schlechten Schuss. Letztere passieren guten Jägern ausgesprochen selten, viele brauchen über Jahre keinen solchen Hund als Hilfe.

Damit wird auch deutlich, dass diese Rassen nichts für den Durchschnittsjäger sind. Ihre Hundeführer stellen sich und den Hund in den Dienst anderer Jäger. Sie opfern viel Zeit, um den Hund gründlich auszubilden und auf hohem Trainingsniveau zu halten. Und danach benötigen sie viele Einsätze, damit der Hund in der rauen Praxis zum Meister heranreifen kann.
Erschwerte Suchen können am Riemen über mehrere Kilometer gehen, das Wild kann noch leben und fliehen: dann muss es der Hund abgeleint so scharf hetzen, dass es sich stellt. Nun darf der Hund nicht nachlassen, damit der Hundeführer aufschließen und das Wild erlegen kann. Der Mensch muss also körperlich fit und zeitlich sehr flexibel sein, damit er immer bereit ist, wenn ein Einsatz ansteht.

Schweißhunde werden von Spezialisten für Spezialisten gezüchtet. Einen Hund aus Leistungszucht erhält nur, wer einem Zuchtverband des Internationalen Schweißhundeverbands (ISHV) angehört. Mitglied kann man dort nur werden, wenn dem geplanten Welpen später auch ausreichend Arbeit garantiert wird. In der Regel sind das Forstleute, Berufsjäger sowie Jäger, die sich bereits einen „Kundenstamm“ mit einer anderen Rasse gebildet haben und die von ihrer Kreisjägerschaft unterstützt oder die von einem anderen Schweißhundeführer vor Ort aufgebaut werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass sich möglichst viele der Nachkommen beweisen können und somit erneut nachweislich leistungsstarke, einsatztaugliche, gesunde Hunde in die Zucht gehen.

Natürlich sorgt diese rigide Vergabepraxis dafür, dass den Schweißhund ein Hauch des Exklusiven umweht. Zudem ist es wenig sinnvoll, überproportional viele Spezialistenteams an einem Standort zu versammeln: die Arbeit bleibt die gleiche, muss aber für alle reichen. Gut wird ein Hund ab 50 Einsätzen aufwärts im Jahr – je mehr, desto besser. Damit wird auch klar, dass es nicht zielführend sein kann, Schweißhunde mit gerade einmal 10 bis 20 Einsätzen pro Jahr flächendeckend auszubilden.
Wer das nicht versteht oder einsieht, sucht dann nach anderen Quellen, statt die Geduld aufzubringen, die Zuchtvereine von seiner Tauglichkeit zu überzeugen. Oder eine andere, ebenfalls geeignete Rasse für seinen geringeren Bedarf zu wählen: z.B. Bracken, aus welchen die Schweißhunde hervorgezüchtet wurden und deren Einsatzgebiet schon immer auch die Nachsuche war.

Hannoverscher Schweisshund CubaDie alternativen Quellen können sein:
FCI-Zwinger aus dem Ausland, die nicht dem ISHV angehören. Hier liegt der Schwerpunkt meist eher beim Ausstellungswesen, als bei der Leistungszucht. Trotzdem sind diese Hunde regulär ausreichend veranlagt und werden bei entsprechender Führung und Einsatz auch rassetypische Leistung bringen. Sie sind zu den Verbandsprüfungen des JGHVs zugelassen.
Weit mehr Hunde stammen aber aus deutschen Dissidenzvereinen (die nicht dem VDH angeschlossen sind). Hier kann jeder sein eigenes Süppchen kochen, Vereinsgründung ist kein Hexenwerk. Was da dann gezüchtet wird, mit welchem „Material“, mit welchem Anspruch, mit welchem Ziel, unterscheidet sich teilweise gravierend. Die Bandbreite reicht von engagierten Nachsucheführern, die ihre Hunde umfassend ausbilden und im Verein vernünftig durch unabhängige Richter prüfen, bis zu fragwürdigen Gruppen: wenn jemand mit dem Prüfungsobmann und oder Richter direkt verwandt ist oder dieser den Hund selbst gezogen hat bzw. den Deckrüden besitzt oder gar alle Posten in Personalunion stellt, klingt das wenig überzeugend.

Ebenfalls merkwürdig wird es, wenn Verbände mit „Papieren“ werben, sogar darauf aufmerksam machen, dass es gefälschte FCI-Siegel gibt – diese Züchter aber selbst regelmäßig FCI-Hunde aus dem Ausland auf VDH-Schauen präsentieren, wo ihre eigenen Hunde gar nicht zugelassen sind (bzw. nur, wenn sie zuvor beim Zuchtbuch führenden Verein im VDH für mehrere hundert Euro phänotypisiert und mit einer Registerahnentafel ausgestattet wurden). Auch Zuchtstätten mit mehreren Schweißhunden, die alle “im ständigen jagdlichen Einsatz“ stehen, sollten einen Interessenten hellhörig werden lassen.

Extrem gefragte Nachsuchenführer haben vielleicht zwei ähnlich alte Hunde parallel im Einsatz, damit sie die vielen anfallenden Arbeiten erledigen können, ohne die Hunde auszulaugen. Das bedeutet aber, keinem weiteren Broterwerb nachgehen zu müssen und zu können. Vielleicht finden sich dort auch noch ein Senior und ein junger Nachwuchshund. Dann sind es vier – alles darüber hinaus ist mehr als kritisch zu hinterfragen. Auch wenn jemand argumentiert, dass Frau und Kinder ebenfalls alle einen Jagdschein haben und ständig nachsuchen, ergibt das immer noch keinen Stall voll Schweißhunde. So schlecht schießt die Jägerschaft nicht.

Aufgekommen ist diese Massenvermehrung durch die gestiegene Nachfrage. Die Vergabepraxis der VDH-Vereine macht die Rasse ungewollt exklusiv und manch einer meint, ein Schweißhund sei edler, besonders im Vergleich zu allen anderen Jagdhunden. Dabei ist deren Arbeit genauso wichtig und anerkennenswert. Aber wenn Mensch etwas partout will, spielt Geld eine untergeordnete Rolle – da darf der Schweißhund ohne FCI-Papiere locker über 50 % (und mehr!) teurer sein, als der mit ISHV-Papieren.
Das haben Geschäftemacher natürlich bemerkt. Plötzlich tauchten in den Kursen der Kreisjägerschaften immer mehr Jäger mit solchen Tieren auf. Leider (oder Gott sei Dank, je nachdem, wie man es betrachtet) sollten aber schon zu Beginn der Modewelle die wenigsten dieser Tiere ernsthaft nachsuchen: „Nein, ich brauche den Hund nur für mich!“. Bleibt für das Wild nur zu hoffen, der Jäger ist kein derart schlechter Schütze, dass er den Hund tatsächlich selbst auslastet.

Ein paar wenige dieser Jäger sind echte Enthusiasten, die „beim Kauf nicht richtig aufgepasst haben“. Liegen schon Erfahrungen vor (und entsprechend auch Kunden), können aus diesen Hunden durchaus zuverlässige Helfer werden.
Wirklich dramatisch wird es jedoch, wenn jemand ohne Erfahrung und ohne Mentor glaubt, er könne das Thema erschwerte Nachsuche autodidaktisch erarbeiten, sich dabei überschätzt und an Arbeiten wagt, die das Gespann nicht leisten kann. Oder nach erfolgloser Suche Aussagen tätigt wie „das wird das Tier ausheilen“ oder „ist nicht zu bekommen“ – ohne auch nur zu ahnen, was ein wirklich gutes Gespann leisten könnte. Übel für den beauftragenden Schützen, wenn dieser nicht weiß, dass dieses Gespann nicht aus Profis besteht (trotz professionell erscheinender Ausrüstung) und vollkommen unverantwortlich dem Wild gegenüber!

Bloodhound PortraitNachdem die ersten papierlosen Hunde unters Volk gebracht waren, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch mit diesen „mal eben nur ein Wurf“ gemacht wurde. Und mittlerweile können auch Nichtjäger völlig problemlos einen solchen Hund erwerben. Die Kleinanzeigen sind voll von Schweißhundwelpen.
Bei den Nichtjägern entstand der Run auf diese Rassen mit dem Mantrail-Boom. Bloodhounds, die Personenspürhunde schlechthin, sind groß, schwer und stark – das macht das Handling ihres Dickschädels nicht einfacher (dazu der berüchtigte und gewöhnungsbedürftige „Bloodhound-Slobber“). Was liegt also näher, als auf die kleineren, leichteren und damit vermeintlich handlicheren Schweißhunde auszuweichen?

So wichtig Menschenrettung ist: bei der schier unendlichen Masse an privaten Rettungshundlern ist kaum zu eruieren, wer diesen Job ernsthaft und ausdauernd betreibt. Für die Zucht sind die dorthin abgegebenen Hunde so oder so verloren und das sollte gerade bei einer eher kleinen Population dringendst vermieden werden. Daher gehen Welpen aus ISHV-Leistungszucht nur sehr sporadisch in Mantrailerhände und dann ausschließlich zu den Diensthund haltenden Behörden. Die privat trailenden Schweißhunde stammen zu 99,9 % aus anderen Quellen. Mit der Verbreitung in der RH-Szene kamen die Tiere dann in den Fokus der allgemeinen Hundemagazine und damit zu den reinen Familienhundhaltern. Ein Blick in die passenden Facebook-Gruppen bestätigt diese Entwicklung.

Taugt der Schweißhund denn als Familienhund? Je weiter er von der Leistungszucht weg ist, desto wahrscheinlich kann man diese Frage mit „ja“ beantworten. Denn welche Hunde fallen aus der offiziellen Zucht oder werden nach erfolgter Ausbildung doch noch abgegeben? Regulär sind es „Mängelexemplare“: mangelnde Wildschärfe, mangelnder Fährtenwille, mangelnde Fährtensicherheit, Probleme mit der Schussfestigkeit... Diese „Mängel“ vereinfachen für Nichtjäger die Haltung des Schweißhundes als Familienhund.
Möglicherweise handelt es sich bei den aussortierten Hunden jedoch um gesundheitliche Mängel, die dem intensiven Arbeitseinsatz entgegenstehen. Diese sollten auf keinen Fall vermehrt werden – aber auch darüber sieht manch einer aus Geldgier hinweg. Da Vererbung immer wieder für Überraschungen sorgt, kann man hier also nie auf der sicheren Seite sein.

Für den ernsthaften Rettungshundler sollten solche Hunde eigentlich keine Option sein. Für sie müssen – wie für den ernsthaften Nachsuchenführer – die wahrscheinliche Leistungsfähigkeit und Gesundheit an erster Stelle stehen. Das würde bedeuten: die Quelle kann nur ein FCI-Zwinger mit allen Gesundheits-, Prüfungs- und Arbeitsnachweisen sein. Allerdings erhält man dort einen auf Wild vorgeprägten Welpen, der möglicherweise eine enorme Wildschärfe entwickelt. Das macht das Trailen außerhalb bebauter Gebiete oder bei höherem Katzenaufkommen unter Umständen schwierig. Ebenfalls problematisch kann sich die rassetypische Zurückhaltung gegenüber Fremden bemerkbar machen. Mit entsprechendem Bedacht sollten Zwinger, Verpaarung und Welpe gewählt werden.
Dazu das Problem der Sprachbarriere und evtl. der Entfernung zum eigenen Wohnort – da kann ein Wurf ohne Papiere und dafür in Deutschland liegend schon verlockend sein. Doch auch bei ISHV-Hund x ISHV-Hund (aber eben ohne Papiere) wäre ich aus Erfahrung skeptisch. Denn wie konnte es passieren, dass diese Hunde bei Leuten außerhalb des Verbandes stehen? Was stimmt hier nicht?

Mein eigenes Exemplar aus einer solchen Dissidenzverpaarung war unglaublich eng gezogen: da wiederholten sich mehrere Ahnen mehrfach in der Ahnentafel und der Deckrüde hatte sogar einen Zuchtsperrvermerk im Papier (was ich mangels Sprachkenntnis nicht erkennen konnte). Glücklicherweise war mein Hund dank reichlich Praxis sehr leistungsstark, aber er kämpfte zeitlebens mit OCD, Mitralklappeninsuffizienz und einer Autoimmunerkrankung. Das wurde nur deshalb nicht zum Problem, weil nach einem Unfall mit Schwarzwild nahezu alle anfallenden Hatzen sowieso von unserem Loshund (quasi der Bodyguard für den suchenden Hund) übernommen werden mussten.
Als Nachfolger kam daher nur ein Hund aus der Leistungszucht in Frage, denn dort habe ich die höchste Wahrscheinlichkeit (natürlich ohne Garantie), einen Welpen mit allen wichtigen Anlagen zu erhalten. Zudem gibt es nach Ablegen der Vorprüfung in keinem Bundesland Einschränkungen bezüglich einer Anerkennung als revierübergreifendes Gespann.

Selbstverständlich wünsche ich jedem viel Freude an und mit seinem Schweißhund, egal woher dieser nun stammt. Trotzdem hoffe ich, dass der eine oder andere Interessent nach dieser Lektüre gründlicher darüber nachdenkt, ob es wirklich diese Rassegruppe sein muss und wenn ja, woher der Hund kommen soll.

Fotos:
Bayerischer Gebirgsschweißhund (Anke Lehne), Hannoverscher Schweißhund (Nadja Gruner), Bloodhound (Katrin Kolbe)

magenprobleme jagdverhalten

Zeigt ein Hund unerwünschtes Jagdverhalten, gibt es zahlreiche Herangehensweisen, dieses Verhalten für den Menschen kontrollierbar zu machen. Neben dem Training verschiedener Signale (z. B. Rückruf, Stoppen in der Entfernung) kann der Hund unter anderem lernen, die Wege nicht zu verlassen, in einem bestimmten Radius um den Menschen zu bleiben sowie Wild anzuzeigen.
Allen Optionen gemeinsam ist jedoch, dass erwünschtes Verhalten verstärkt werden muss, damit es zukünftig häufiger vom Hund gezeigt wird.

Die Art und Weise des Verstärkers kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. So können neben Futter auch Spielzeug oder Umweltbelohnungen eingesetzt werden. Für das Gelingen des Trainings entscheidend ist, dass der eingesetzte Verstärker beim Hund tatsächlich Freude auslöst. Insbesondere beim Antijagdtraining bietet sich daher das Nutzen von Umweltbelohnungen an, wie das geruchliche Verfolgen einer Wild-Fährte oder das Beobachten von Wild.
Dennoch hat die Verwendung von Futter in bestimmten Situationen gleich mehrere Vorteile. So ist der Einsatz einfach und unabhängig von Umweltsituationen, es können viele Wiederholungen in kurzer Zeit trainiert werden und das Fressen kann beruhigend auf den Hund wirken. In diesem Zusammenhang kann das Fressen oder Nicht-Fressen von Futter auch ein guter Indikator für den Erregungslevel des Hundes sein und damit dem Trainierenden hilfreiche Informationen vermitteln.
Nimmt ein Hund kein Futter als Belohnung im Training an, können diese Vorteile nicht genutzt werden.

Doch losgelöst vom entgangenen unmittelbaren Nutzen für das Training kann das Nicht-Fressen von Futter auf indirektem Weg einen deutlich größeren Einfluss auf das Training haben als zumeist vermutet. Neben individuellen Vorlieben und rassetypischen Eigenschaften, die es zu berücksichtigen gilt, sollte beim Nicht-Fressen von Futter im Training der Gesundheitszustand des Hundes kritisch überprüft werden.
In vielen Fällen sind (chronische) Magen-Probleme ursächlich für das Nicht-Fressen von Futterbelohnungen. Vergleichsweise weit verbreitet ist beim Hund eine Überproduktion an Magensäure (Hyperazidität), die nicht nur zu Sodbrennen, sondern auch zu einer Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis) führen kann.
Diese körperliche Einschränkung wiederum zeigt sich in der großen Mehrheit der Fälle als „Bremse“ im Training, da sie nicht nur direkt durch den Wegfall von Futter als Verstärker das Training behindert, sondern auch indirekt zu einer herabgesetzten Reizschwelle und somit unter Umständen sogar zu einem stärkeren Jagdverhalten führen kann. 

Sind Ursachen in der Gestaltung des Trainings selbst ausgeschlossen, wurden bereits mehrere unterschiedliche hochwertige Futtervarianten getestet und kommen zu einem schwankenden oder wechselhaften Fressen von Futter(-belohnungen) Symptome hinzu wie

• Schmatzen bis hin zu einem würgenden Husten mit Erbrechen von Schleim oder Galle,
• säuerlicher Mundgeruch,
• nächtliche Unruhe, besonders in den frühen Morgenstunden,
• das zwanghafte Fressen von Gras, Erde, aber auch Zimmerpflanzen bis hin zu Gegenständen wie Teppichen sowie
• das anfallsartige Ablecken von Boden, Wänden oder Gliedmaßen (teilweise als „licky fits“ bezeichnet), ggf. verbunden mit einem vermehrten Abschlucken von Luft,

erhärtet dies den Verdacht, dass der Hund möglicherweise unter Magenproblemen leidet. Verbindet ein Hund die Aufnahme von Futter mit anschließendem Unwohlsein, kann dies zu einer sogenannten „erlernten Aversion“ führen – der Hund wird diese Futtersorte zukünftig nicht mehr fressen wollen. Typischerweise fressen betroffene Hunde eine neue Futtersorte nur wenige Male und meiden sie anschließend, was dazu führt, dass sie aus menschlicher Sicht schnell als „wählerisch“ oder „mäkelig“ bezeichnet werden.

Die genannten Symptome sind bei Hunden recht weit verbreitet. In vielen Fällen ist die Ausprägung aber nicht so stark, dass direkt eine Tierarztpraxis aufgesucht wird. Vielmehr tritt mit Andauern der Symptome häufig ein Gewöhnungseffekt beim Menschen ein und sie werden als normal erachtet oder als Eigenheit des Hundes angesehen. Daher sollten besonders TrainerInnen bei einem Verdacht gezielt nach diesen Symptomen fragen und die KundInnen an eine entsprechend qualifizierte Tierarztpraxis verweisen.
Dort kann je nach Patient neben eines genauen Vorberichtes und einer Allgemeinuntersuchung auch eine Blutuntersuchung, Kotuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums oder eine Magenspiegelung (Gastroskopie) erforderlich sein. Eine detaillierte Diagnostik ist hier sehr wichtig, da neben der Überproduktion von Magensäure auch zahlreiche andere Ursachen, wie beispielsweise das genaue Gegenteil – eine Unterproduktion von Magensäure - für die genannten Symptome in Frage kommen. Zudem können die Ursachen einer Magensäureüberproduktion selbst sehr vielfältig sein.

Ein großer Einflussfaktor auf die Magensäureproduktion besteht in der Fütterung. Da der Magen der Hauptort der Eiweißverdauung ist, regt ein hoher Eiweißanteil in der Fütterung ebenso wie Brühe und Salz die Magensäureproduktion an. Fettarme, breiige Mahlzeiten sind leichter verdaulich als fettreiche und große, feste Nahrungsbestandteile. Unverträglichkeiten bestimmter Futtermittel werden als weitere Ursache diskutiert.
Aber auch die Anzahl der Mahlzeiten spielt eine Rolle. Wird die tägliche Futtermenge auf ein bis zwei Mahlzeiten aufgeteilt, führt das zu einer relativ hohen Menge pro Mahlzeit, die schwerer verdaulich ist als kleinere Mengen. Mit einer ein- bis zweimal täglichen Fütterung gehen zudem längere Nüchtern-Phasen einher, die einigen Hunden Probleme bereiten. Beschwerden können außerdem entstehen, wenn Hunde bestimmte Fütterungszeiten gewöhnt sind und die Fütterung dann aus unterschiedlichen Gründen ausbleibt oder erst später erfolgt, z. B. weil die Menschen im Urlaub morgens länger schlafen.
Aber nicht nur die Fütterung, sondern auch andere körperliche Erkrankungen, bestimmte Medikamente und chronischer Stress können die Magensäureproduktion beeinflussen. Häufig ist eine Magensäureüberproduktion daher auch bei Hunden mit Problemverhalten und Verhaltensstörungen zu beobachten.

Konnte eine Überproduktion von Magensäure als Grund für die Beschwerden des Hundes festgestellt und keine weitere medizinische Ursache dafür diagnostiziert werden, sollte der Gehalt an Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten und Mineralstoffen im Futter professionell überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Nicht vergessen werden sollten in diesem Zusammenhang sämtliche Leckerchen und Kauartikel, die der Hund erhält. Viele Hunde profitieren von einer Aufteilung der Futtermenge auf vier bis sechs Mahlzeiten, die möglichst gleichmäßig über 24 Stunden verteilt werden. In manchen Fällen kann ein Futterautomat hier sehr nützlich sein. Ein aufsaugendes „Betthupferl“ in Form von Zwieback oder Reiswaffel mildert bei etlichen Hunden die Symptome. Zusätzlich können Ergänzungen wie Heilerde, Ulmenrinde, Eibischwurzel oder Kartoffelsaft Linderung bringen.

Zusammenfassend sollte das Nicht-Fressen von Futter im Antijagd-, aber auch allgemein im Training immer ernst genommen werden. Sowohl die Gestaltung des Trainings und der Erregungslevel des Hundes, aber auch seine Gesundheit und Fütterung sollten genau überprüft werden, um mögliche Hemmnisse des Trainingserfolgs möglichst frühzeitig zu erkennen und für mehr Wohlbefinden beim Hund zu sorgen.

https://www.pfoten-werkstatt.de/
Foto: 
Uwe Klemmer

Ist von dem Einfluss körperlicher Erkrankungen auf das Verhalten die Rede, denkt man schnell an schwerwiegende Verhaltensprobleme oder Verhaltensstörungen.
Doch auch ein normales (wenngleich in privater Hand meist unerwünschtes) Verhalten - das Jagdverhalten- wird wesentlich durch den körperlichen und psychischen Gesundheitszustand unseres Vierbeiners beeinflusst.
Diese Beeinflussung kann dabei in beide Richtungen geschehen: während einige Erkrankungen zu einem verminderten Jagdverhalten führen, lösen andere Erkrankungen vermehrtes Jagdverhalten aus. Der Zusammenhang zwischen körperlicher Gesundheit, Jagdverhalten und Training des Hundes ist dabei komplex, sodass in vielen Fällen die gleiche Erkrankung sowohl zu einem verminderten als auch zu einem vermehrten Auftreten des Jagdverhaltens führen kann.

Reduziertes Jagdverhalten

In erster Linie führt eine Vielzahl von körperlichen Erkrankungen zu einem reduzierten Jagdverhalten.
 MG 9156Die häufigste Ursache bilden Schmerzen. Dabei können diese Schmerzen sowohl den Bewegungsapparat betreffen als auch den Magen-Darm-Trakt oder jegliche andere Organe. Da davon ausgegangen werden kann, dass Schmerzen beim Hund seltener diagnostiziert werden als sie auftreten, sollte hier bei plötzlich vermindertem Jagdverhalten ein besonderer Fokus liegen. Zu beachten ist, dass insbesondere Hunde, die überwiegend an der Schleppleine laufen und gegebenenfalls mit Schwung in das Ende der Leine hineinlaufen, regelmäßig hinsichtlich möglicher Probleme im Bewegungsapparat kontrolliert werden sollten.
Neben Schmerzen kann auch eine schlechte Kondition zu reduzierterem Jagdverhalten führen. Je nach Ausprägung sind hier in der Regel die kräftezehrenden Elemente „Ausschau halten“ und „Hetzen“ der Jagdverhaltenskette betroffen. Diese schlechte Kondition kann wiederum die unterschiedlichsten Ursachen haben. Sowohl Herz- und Lungenerkrankungen als auch hormonelle Erkrankungen wie die Schilddrüsenunterfunktion, das Cushing-Syndrom oder Diabetes mellitus können zu einer Leistungsinsuffizienz führen. Infektionserkrankungen und Blutarmut zählen ebenfalls zu häufigen Auslösern und sollten ursächlich weiter abgeklärt werden.
Rasseveranlagung und Lernerfahrungen führen dazu, dass einige Hunde verstärkt auf Sichtreize reagieren, während andere Hunde sich vor allem für Geruch interessieren. Lässt die Sehleistung nach, z. B. durch eine Linsentrübung oder eine Netzhautablösung, kann dies dazu führen, dass beim Vierbeiner deutlich seltener Jagdverhalten ausgelöst wird. Ein verminderter Geruchssinn kann unter anderem bei einer Infektion der oberen Atemwege auftreten. Lösen wiederum Geräusche Jagdverhalten aus, wie auf dem Wasser landende Enten oder krähende Fasane, ist bei nachlassender Hörleistung, z. B. altersbedingt oder durch eine Ohrenentzündung, auch hier mit vermindertem Jagdverhalten zu rechnen.

Neben körperlichen Erkrankungen spielt auch der psychische Zustand des Hundes eine wichtige Rolle. Angstverhalten ist ein starker Hemmer des Jagdverhaltens. Leiden Hunde also z. B. unter einer Furcht vor Gewitter, ist es wahrscheinlich, dass sie während des Unwetters kein oder ein deutlich reduziertes Jagdverhalten zeigen. Dies bedingt aber auch, dass (Tierschutz-)Hunde, die zunächst unter Angst oder Unsicherheit im neuen Zuhause litten, mit zunehmender Sicherheit plötzlich Jagdverhalten zeigen können, das zuvor gehemmt war.
Nicht zuletzt berichten viele Hundehalter, dass ihr an Demenz erkrankter Vierbeiner deutlich weniger Jagdverhalten zeigt. Da erkrankte Patienten häufig bereits ein hohes Alter aufweisen, könnten hier außerdem nachlassende Sinnesleistungen oder Schmerzen eine Rolle spielen.

Vermehrtes Jagdverhalten

Tritt unter einer Erkrankung vermehrtes Jagdverhalten auf, handelt es sich hier in der Regel um „Pseudojagdverhalten“. Beim Pseudojagdverhalten wird Stress mit Elementen des Jagdverhaltens kompensiert. Dieser Stress kann sowohl durch körperliche als auch durch psychische Ursachen bedingt sein.
Zu den häufigsten körperlichen Stressoren zählen auch hier die Schmerzen. Zu den häufigsten psychischen Stressoren zählt die Furcht vor bestimmten Reizen, wie Geräuschen, Menschen oder anderen Hunden.
Nicht unterschätzt werden sollte zudem, dass eine allgemein herabgesetzt Reizschwelle zu schnellerem und früherem Auslösen von Jagdverhalten führen kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein Großteil aller Erkrankungen die Reizschwelle des Hundes herabsetzt. Besonders häufig ist ursächlich unter anderem Juckreiz (z. B. durch Allergien) zu beobachten. Eine vermehrte Aktivität des Hundes sollte nicht dazu verleiten, Schmerzen grundsätzlich auszuschließen. Die während des Jagdverhaltens ausgeschütteten Hormone und Botenstoffe wirken als „körpereigene Schmerzmittel“, sodass zahlreiche Hunde trotz vielfältiger Probleme im Bewegungsapparat während des Jagens dennoch eine beeindruckende Leistung abrufen können.

Elemente aus dem Jagdverhalten können außerdem als abnorm-repetitive Verhaltensweise (ARV, umgangssprachlich „Stereotypie“) auftreten. In erster Linie betroffen sind hier die Bereiche „Fixieren“ und „Hetzen“ (lokomotorische ARV: Jagen von Schatten oder Lichtreflexen) sowie „Packen“ (halluzinatorische ARV: Fliegen schnappen). Gekennzeichnet ist das Verhalten in diesem Fall dadurch, dass es unangemessen wiederholt auftritt und in seiner Ausführung extrem gleichförmig ist.

Schlechtere Kontrollierbarkeit des Jagdverhaltens

Verschiedene körperliche Erkrankungen können außerdem dazu führen, dass die bisher im Training eingesetzte Belohnung für den Hund keine (ausreichende) Belohnung mehr darstellt. Dies führt dazu, dass das Ausführen der Signale nicht mehr (ausreichend) verstärkt wird. Abhängig vom Trainingsstand des Hundes führt das dazu, dass die Signale nach kürzerer oder längerer Zeit zunehmend unzuverlässiger bis gar nicht mehr ausgeführt werden. Während das eigentliche Jagdverhalten also unverändert auftritt, ist die Kontrolle des Verhaltens durch trainierte Signale stark herabgesetzt.
Wurde der Hund bisher durch das Hetzen eines Fellspielszeugs für den Rückruf belohnt, können Schmerzen im Bewegungsapparat das Hetzen plötzlich unattraktiv werden lassen. Der Rückruf wird zunehmend schlechter befolgt. Leidet der Hund hingegen unter einer Magenschleimhautentzündung, wird er möglicherweise das Schlecken an der Leberwursttube weniger belohnend empfinden.

Jenseits der Belohnung ist es außerdem möglich, dass die Ausführung des Signals selbst unangenehm oder sogar schmerzhaft ist. So wird der Hund für die Ausführung des Signals bestraft, auch wenn es dem Halter möglicherweise nicht bewusst ist. In der Konsequenz wird das Verhalten seltener gezeigt. Auch das führt zu einer schlechteren Kontrollierbarkeit des Jagdverhaltens. Hat sich ein Hund bisher an Wild gut stoppen lassen, indem er sich auf einen Pfiff hin abgesetzt hat, wird er dies deutlich weniger zuverlässig ausführen, wenn das Setzen schmerzhaft ist.

Fazit

Jagdverhalten kann nicht abgestellt werden, es kann lediglich durch Training von Signalen und alternativen Verhaltensweisen kontrollierbar gemacht werden. Lässt das Jagdverhalten eines Hundes sehr plötzlich nach, muss daher der körperliche und psychische Zustand des Hundes kritisch überprüft werden.
Wie auch bei anderen Trainingsfragestellungen und in der Verhaltenstherapie sollte beim Antijagd-Training der gesundheitliche Zustand des Hundes vor Trainingsbeginn überprüft werden und während des Trainings laufend im Auge behalten werden. Spätestens jedoch, wenn das Training keinen zufriedenstellenden Fortschritt aufweist, müssen Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen werden.

Schweißhund bei Mantrailing auf freier Fläche

Beim Mantrailing verfolgt der Hund die Geruchsspur einer Person und arbeitet selbstständig an einer langen Leine. Er soll seinen Hundeführer „mitnehmen“, nach vorne arbeiten und sich voll und ganz auf die Spur fokussieren. Beim Anti Jagd Training arbeiten wir an Elementen wie Ansprechbarkeit, Orientierung am Hundeführer und das zuverlässige Ausführen von Signalen unter hoher Ablenkung. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass dies gegensätzlich ist und sich nahezu ausschließt. Dennoch ergänzen sich diese beiden Elemente wunderbar. Warum? Nun, dazu müssen wir etwas ausholen.

Für das Anti Jagd Training werden häufig Hunde vorstellig, die sehr selbstständig unterwegs sind, draußen jeder Spur nachgehen und schnell ihren Besitzer „vergessen“. Die Nasenarbeit ist häufig durch eine lange Selektionsgeschichte in spezieller Form gefördert worden und die Hunde wurden für einen bestimmten „Job“ gezüchtet. Sie stöbern, sie verfolgen eine Spur, sie suchen mit hoher Nase im Wind oder suchen akribisch im hohen Bewuchs. Was „des einen Freud, ist des anderen Leid“, denn im Alltag möchte der Hundebesitzer, sofern er den Hund nicht jagdlich führt, normalerweise nichts von all diesen Elementen aus der Jagdverhaltenskette, vor allem nicht, wenn der Hund sie ohne Besitzer ausführt.

Hier wird es nun spannend. Wir müssen uns bewusst machen, dass der Hund diese genetischen Merkmale nicht einfach „abstellen“ kann. Im Anti Jagd Training arbeiten wir an einer Kontrollierbarkeit dieser Dinge. Dennoch ist es dem Hund ein Bedürfnis, diese Aktivitäten auszuführen. Im Idealfall greifen wir die Hobbys des Hundes also an anderer Stelle wieder auf und sorgen dafür, dass er diese in einem von uns vorgegebenen Rahmen ausführen darf. Wir sorgen für Bedürfnisbefriedigung durch eine entsprechende Auslastung. Und genau hier kann Mantrailing ins Spiel kommen und zwar für all die Hunde, die gern und viel mit der Nase unterwegs sind.

Mantrailing als Ergaenzung zum Anti Jagd Training 03

Beim Trailen gebe ich dem Hund vor, welche Geruchsspur er verfolgen soll, nämlich die eines Menschen. Er arbeitet mit mir als Team, hat aber die deutlich bessere Nase und kann diese Fähigkeit voll und ganz ausschöpfen. Gerade die Nasenarbeit macht viele Hunde glücklich, müde und ausgeglichen. In vielen Fällen wird der Effekt erzielt, dass der Hund sich über das Mantrailing das „holt“, was er sonst draußen in freier Umgebung mit Wildspuren machen würde. Ich habe einige Hunde im Training, die durch das Mantrailing und die damit einhergehende Auslastung in der Freizeit wieder ableinbar sind. Andersrum habe ich es ebenso erlebt, dass der Hund plötzlich nicht mehr ableinbar war, nachdem die Arbeit im Mantrailing eingestellt wurde, denn: Der Hund hat sich durch das Verfolgen „wilder Spuren“ draußen selbst eine Beschäftigung gesucht, um auf seine Kosten zu kommen.

Für Hunde, die also sowieso viel mit der Nase unterwegs sind, ist das Mantrailing absolut genial. Trotzdem sollte man immer schauen, welche Suchenform der Hund bevorzugt. Ein Hund, der naturgemäß Hochwind arbeitet, muss erstmal verstehen, dass im Mantrailing etwas anderes gefordert wird, nämlich eine Spur zu verfolgen. Natürlich kann ein Hund dies lernen, man muss sich aber vor Augen führen, dass ihm dies u.U. nicht als erstes einfallen wird. Ein gut durchdachtes, schrittweises Training ist hier nötig.

Im Umkehrschluss möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ein Hund, der naturgemäß eben nicht so viel mit der Nase unterwegs ist, wie z.B. ein Hütehund oder ein Windhund, zwar durchaus Mantrailing lernen kann, man sich aber gut überlegen sollte, ob es sinnvoll ist. Denn ich zeige dem Hund das Konzept Nase mit viel Emotion und Belohnung und es ist gut möglich, dass er die Nase auch im Alltag intensiver anwendet. Aus einem Sichtjäger wird ein Hund, der zusätzlich über die Nase arbeitet. Dies MUSS nicht passieren, KANN es aber. Natürlich ist jeder Hund anders. Ich habe auch Hütehunde im Training, die schon naturgemäß so viel mit der Nase aktiv sind, dass das Mantrailing einfach ein hervorragendes Hobby für sie ist.

Man muss das Individuum betrachten!

Meine Windhund Hündin z.B. hat gar kein Interesse an Spuren und jagt, der Rassebeschreibung entsprechend, nur auf Sicht. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, ihr Mantrailing beizubringen, damit es auch dabei bleibt.

Mein Schweißhund dagegen ist speziell für diese Arbeit angeschafft worden und bringt rein genetisch natürlich das Element „Verfolgen“ aus der Jagdverhaltenskette mit. Er trailt bereits seit seiner 8. Lebenswoche. Er kann sich draußen in der Natur viel besser kontrollieren, wenn er über das Mantrailing ausgelastet ist.

Zum Abschluss möchte ich nochmal auf eine ungewöhnliche Variante der Ergänzung vom Anti Jagd Training und Mantrailing hinweisen. Wer das Mantrailing ambitioniert betreibt, wird evtl. bei einem spezialisierten Jagdhund in Gegenden wie Wald und Wiese plötzlich das Problem der Ablenkung durch Wildspuren feststellen. Hier zahlt sich ein gutes Jagdkontrolltraining aus! Wenn der Hund gelernt hat, seine Erregung zu kontrollieren, ggf. Wild anzuzeigen statt zu verfolgen und auf Signale des Hundeführers unter Ablenkung zu reagieren, kann er diese Situation viel besser meistern. Hat das Team dann noch einen guten Trail Trainer, der die Motivation im Auge hat, ist diese Herausforderung durchaus zu meistern. Hier gehen Jagdkontrolltraining und Mantrailing wieder einmal Hand in Hand.

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Immer wieder begegnet mir im Rahmen von Problemhundberatung und Anti-Jagd-Training die Aussage: „Mein Hütehund jagt… aber Hütehunde jagen doch gar nicht“.
Leider tun sie das doch! Und zwar nicht nur, wenn sie rasse-untypisches Verhalten zeigen, sondern auch ganz rassetypisch und bei ihrer Arbeit am Vieh! Denn Hüteverhalten ist grob gesagt nichts anderes, als Jagdverhalten ohne Totbiss.

Wenn man sich die Jagdverhaltenskette genauer anschaut, wird man schnell feststellen, dass ein Hütehund eigentlich sogar ein ziemlich guter Jäger ist. Zunächst begibt der Hütehund sich auf die Suche nach Schafen – dies erfolgt in der Regel durch optische Orientierung. Sobald der Hütehund die Schafe sieht, folgt das Fixieren (Verharren – Anschleichen – Verharren). Dieses Bild eines Border Collies, der sich „eine Etage tiefer gelegt“ anpirscht, kennt fast jeder. Im Idealfall treibt der Hütehund nun das Vieh durch Fixieren und langsames vorwärts gehen im gemäßigten Tempo zu seinem Hundeführer.

Je nachdem welchem Typ Hütehund derjenige angehört, wird er u. U. auch mehr oder weniger die Idee im Kopf haben, in die Fessel zu zwicken, um das Vieh in die gewünschte Richtung zu treiben. Lediglich das Töten und Wegtragen der Beute sollte der Hütehund seinem Hundeführer überlassen.
Da Hütehunde eher in die Kategorie „Sichtjäger“ gehören, werden die meisten Hütehunde zu Beginn ihrer Jagdkarriere in der Regel nicht auf Spurensuche gehen. Durch zufällige Begegnungen mit flüchtendem Wild lernen nicht wenige Hütehunde allerdings, dass es sich auch durchaus lohnen kann, geruchlich auf die Suche danach zu gehen. Und schwupps – schon hat man einen Hütehund, der Spuren sucht, verfolgt und Wild hetzt. Wie gut der Hund in diesen Situationen dann ansprechbar/abrufbar ist, hängt stark vom Individuum und seinem Trainingsstand ab.

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Desweiteren kommt es in der Entwicklung eines Hütehundes oft schon relativ früh zu dem Punkt, wo der junge Hund feststellt, dass es sich für ihn extrem gut anfühlt, bewegte Dinge (Autos, Radfahrer, Jogger, andere Hunde, etc.) anzuglotzen. Solange es nur beim Glotzen bleibt, fällt vielen Hundehaltern gar nicht unbedingt auf, dass ihr Hund gerade evtl. ein problematisches Verhalten entwickelt. In dem Moment, wo der Hund dann das erste Mal wie wild in die Leine springt oder (unangeleint) einem bewegten Objekt hinterher rennt, wird dem Hundehalter dann oft klar, dass es an der Zeit ist, einzugreifen. Dieses Verhalten wird dann oft als Aggression oder Jagdverhalten beschrieben, dabei handelt es sich auch hier um (fehlgerichtetes) Hüteverhalten.

Muss man das jetzt als rassespezifisch akzeptieren? NEIN!
Denn selbst ein am Vieh arbeitender Hütehund muss lernen, was man hüten kann/darf und was nicht. Ebenso, wie ein Jagdhund lernen muss, wann er seinen jagdlichen Job erledigen soll und wann nicht. Und hierbei hilft ein ggf. leicht abgewandeltes Anti-Jagd-Training ausgezeichnet.